Campus unter Eichen
Die Universität: Stellenboschs junges Herz
Rund 30.000 Studierende halten die zweitälteste Stadt Südafrikas jung. Ohne die Universität wäre Stellenbosch ein Museum, mit ihr ist es ein Wohnzimmer.
Kurz gesagt
- Rund 30.000 Studierende, zehn Fakultäten, Universität seit 1918.
- Die Studierenden heißen Maties, Rugby spielen sie in Coetzenburg.
- 1925 wurde hier der Pinotage gezüchtet, 1999 der erste in Südafrika gebaute Satellit ins All geschickt.
- Campus, botanischer Garten und Universitätsgalerie sind frei zugänglich.
Die Maties und ihre Stadt
Setz dich an einem Wochentag gegen acht Uhr morgens in ein Café an der Victoria Street. Was an dir vorbeizieht, sind keine Touristen, sondern Studierende auf dem Weg zur Vorlesung, hier heißen sie Maties. Die Universität liegt nicht am Stadtrand, sie ist mit der Altstadt verwachsen: Hörsäle hinter Giebelfassaden, Fahrräder unter Eichen, dazwischen Buchläden und Bars. Diese Mischung aus fast 350 Jahren Geschichte und Campusleben gibt es so kein zweites Mal im Land. Abends merkst du sie am deutlichsten, wenn sich die Kneipen an der Bird Street füllen und die Altstadt einfach nicht müde wird.

Für dich als Besucher heißt das: Stellenbosch ist kein Freilichtmuseum. Die Preise in den Studentenlokalen bleiben zivil, es gibt Livemusik unter der Woche, und selbst im Winter ist die Stadt nicht ausgestorben. Denn das Semester kennt keine Nebensaison.
Vom Dorfgymnasium zur Forschungsuniversität
Angefangen hat alles 1866 mit dem Stellenbosch Gymnasium, ab 1887 Victoria College. 1918 wurde daraus die Universität Stellenbosch, heute eine der forschungsstärksten Hochschulen Afrikas mit zehn Fakultäten. Gegründet als afrikaanssprachige Hochschule, wird heute überwiegend auf Englisch unterrichtet. Der älteste Teil des Campus mit dem Ou Hoofgebou aus den 1880er-Jahren steht ein paar Schritte von der Dorp Street entfernt.

Zwei Kapitel ihrer Geschichte passen perfekt zu dieser Seite. 1925 kreuzte der Weinbau-Professor Abraham Izak Perold hier Pinot Noir mit Cinsault und erfand damit den Pinotage, die Rebsorte Südafrikas. Und 1999 schickte die Universität den ersten in Südafrika gebauten Satelliten ins All, entwickelt von ihren Ingenieursstudenten. Zwischen Rebstock und Raumfahrt liegen hier nur ein paar Institutsgebäude.
Was du als Besucher davon hast
Der Campus ist offen, du kannst einfach durchspazieren. Ein guter Weg führt vom Rooiplein, dem zentralen Platz, durch die Eichenalleen zum botanischen Garten der Universität, dem ältesten Uni-Botanikgarten des Landes, mit Teehaus zwischen den Beeten. Im Studentenzentrum, das alle nur Neelsie nennen, isst du günstiger als irgendwo sonst in der Stadt.
- Das Konservatorium lädt regelmäßig zu Konzerten in den Endler-Saal, von Klassik bis Jazz, oft für kleines Geld.
- In Coetzenburg spielen die Maties Rugby. Ein Heimspiel im Danie-Craven-Stadion ist ein Crashkurs in südafrikanischer Kultur, Boerewors-Rolle inklusive.
- Die Universitätsgalerie in der alten lutherischen Kirche zeigt zeitgenössische südafrikanische Kunst, der Eintritt kostet nichts.
- Traditionell im März verwandelt das Woordfees, das Kunst- und Literaturfestival der Universität, die ganze Stadt in eine Bühne.
Und wenn du wissen willst, wohin die Weinbau-Forschung von 1925 geführt hat: Die Antwort schenken dir die Güter ringsum ins Glas, viele ihrer Kellermeister haben genau hier studiert.
Häufige Fragen
Wie viele Studierende hat die Universität Stellenbosch?
Rund 30.000 an zehn Fakultäten. Die Universität besteht seit 1918, hervorgegangen aus dem Stellenbosch Gymnasium von 1866 und dem Victoria College.
Wer sind die Maties?
So heißen die Studierenden der Universität Stellenbosch. Der Name steht auch für die Sportteams, etwa die Rugby-Mannschaft, die in Coetzenburg im Danie-Craven-Stadion spielt.
In welcher Sprache wird an der Universität Stellenbosch unterrichtet?
Überwiegend auf Englisch. Gegründet wurde die Universität als afrikaanssprachige Hochschule, und Afrikaans hörst du auf dem Campus und in der Stadt bis heute.
Kann ich den Campus besuchen?
Ja, der Campus ist offen. Spazier vom Rooiplein durch die Eichenalleen zum botanischen Garten, iss im Studentenzentrum Neelsie und schau in die Universitätsgalerie in der alten lutherischen Kirche. Der Eintritt dort kostet nichts.
Was hat die Universität mit dem Pinotage zu tun?
1925 kreuzte der Weinbau-Professor Abraham Izak Perold hier Pinot Noir mit Cinsault. Daraus wurde der Pinotage, die Signatur-Rebsorte Südafrikas. Viele Kellermeister der Region haben in Stellenbosch studiert.