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Campus unter Eichen

Die Universität: Stellenboschs junges Herz

Rund 30.000 Studierende halten die zweitälteste Stadt Südafrikas jung. Ohne die Universität wäre Stellenbosch ein Museum, mit ihr ist es ein Wohnzimmer.

Die Maties und ihre Stadt

Setz dich an einem Wochentag gegen acht Uhr morgens in ein Café an der Victoria Street. Was an dir vorbeizieht, sind keine Touristen, sondern Studierende auf dem Weg zur Vorlesung, hier heißen sie Maties. Die Universität liegt nicht am Stadtrand, sie ist mit der Altstadt verwachsen: Hörsäle hinter Giebelfassaden, Fahrräder unter Eichen, dazwischen Buchläden und Bars. Diese Mischung aus fast 350 Jahren Geschichte und Campusleben gibt es so kein zweites Mal im Land. Abends merkst du sie am deutlichsten, wenn sich die Kneipen an der Bird Street füllen und die Altstadt einfach nicht müde wird.

Historisches weißes Universitätsgebäude mit Palme und Denkmal davor
Am historischen Campus

Für dich als Besucher heißt das: Stellenbosch ist kein Freilichtmuseum. Die Preise in den Studentenlokalen bleiben zivil, es gibt Livemusik unter der Woche, und selbst im Winter ist die Stadt nicht ausgestorben. Denn das Semester kennt keine Nebensaison.

Vom Dorfgymnasium zur Forschungsuniversität

Angefangen hat alles 1866 mit dem Stellenbosch Gymnasium, ab 1887 Victoria College. 1918 wurde daraus die Universität Stellenbosch, heute eine der forschungsstärksten Hochschulen Afrikas mit zehn Fakultäten. Gegründet als afrikaanssprachige Hochschule, wird heute überwiegend auf Englisch unterrichtet. Der älteste Teil des Campus mit dem Ou Hoofgebou aus den 1880er-Jahren steht ein paar Schritte von der Dorp Street entfernt.

Weißes klassizistisches Universitätsgebäude mit Säulen und Flagge
Das Ou Hoofgebou, heute Sitz der Juristen

Zwei Kapitel ihrer Geschichte passen perfekt zu dieser Seite. 1925 kreuzte der Weinbau-Professor Abraham Izak Perold hier Pinot Noir mit Cinsault und erfand damit den Pinotage, die Rebsorte Südafrikas. Und 1999 schickte die Universität den ersten in Südafrika gebauten Satelliten ins All, entwickelt von ihren Ingenieursstudenten. Zwischen Rebstock und Raumfahrt liegen hier nur ein paar Institutsgebäude.

1918Universität seit
30.000Studierende
1925Pinotage erfunden
1999erster Satellit Südafrikas

Was du als Besucher davon hast

Der Campus ist offen, du kannst einfach durchspazieren. Ein guter Weg führt vom Rooiplein, dem zentralen Platz, durch die Eichenalleen zum botanischen Garten der Universität, dem ältesten Uni-Botanikgarten des Landes, mit Teehaus zwischen den Beeten. Im Studentenzentrum, das alle nur Neelsie nennen, isst du günstiger als irgendwo sonst in der Stadt.

  • Das Konservatorium lädt regelmäßig zu Konzerten in den Endler-Saal, von Klassik bis Jazz, oft für kleines Geld.
  • In Coetzenburg spielen die Maties Rugby. Ein Heimspiel im Danie-Craven-Stadion ist ein Crashkurs in südafrikanischer Kultur, Boerewors-Rolle inklusive.
  • Die Universitätsgalerie in der alten lutherischen Kirche zeigt zeitgenössische südafrikanische Kunst, der Eintritt kostet nichts.
  • Traditionell im März verwandelt das Woordfees, das Kunst- und Literaturfestival der Universität, die ganze Stadt in eine Bühne.

Und wenn du wissen willst, wohin die Weinbau-Forschung von 1925 geführt hat: Die Antwort schenken dir die Güter ringsum ins Glas, viele ihrer Kellermeister haben genau hier studiert.